GegenArgumente: Weltflüchtlingsmacht Deutschland - Über den imperialistischen Gehalt von Merkels „freundlichem Gesicht“ und den nationalistischen Hass, den sie dafür notwendig erntet

Dienstag, 01. Dezember 2015, 19:00

„Wenn wir jetzt anfangen, uns noch entschuldigen zu müssen dafür, dass wir in Notsituationen ein freundliches Gesicht zeigen, dann ist das nicht mein Land“

Eben doch! Sie soll mal nicht so tun, als ob die Politik, mit der sie „mein Land“ machtvoll „gestaltet“, nichts mit der Ablehnungsfront zu tun hat, auf die ihr „freundliches Gesicht“ deutschlandweit trifft. Exakt dieses Land regiert sie – nach guter demokratischer Sitte mit der Zustimmung ihrer Wähler – seit über 10 Jahren. Und das ist diesem Land auch anzusehen.

Erstens hat sie es zu einem ökonomischen Monstrum gemacht, das einen ganzen Kontinent anführt und auf dieser Basis in der obersten Liga des Weltmarkts mitspielt. Da nimmt sie sich die globalen Schwergewichte als Maß deutscher Erfolge vor: Mit den USA – TTIP – will sie die internationale Konkurrenz neu aufmischen und China in die Schranken weisen, und mit Chinas Riesenmarkt im Rücken will sie den USA das Wasser abgraben. Dafür macht sie alle Lebensbedingungen in ihrem Land zurecht und hetzt ihr Volk in eine gnadenlose Konkurrenz, in immer härtere Lebens- und Arbeitsbedingungen. Das hat im Bemühen, sich darin erfolgreich zu behaupten, den fatalen Fehlschluss längst zur festen Gewohnheit ausgebildet: Nicht die Konkurrenz, in die man gestellt ist, ist verantwortlich für die Fehlschläge, die man in ihr erfährt, sondern der Konkurrent, mit dem man es auf dem Arbeits-, Wohnungs- und den anderen „Märkten“ der gleichnamigen Wirtschaft zu tun kriegt.

Zweitens erzieht sie ihr Volk zu einem Haufen von Nationalisten mit einem gediegenen Elitebewusstsein. Die erzwungenen Glanzleistungen, die sie ihm in Sachen Arbeiten, Verzichten und Sparen abverlangt, präsentiert sie ihm als Erfolg deutscher Tugenden, die aus Deutschland einen kraftstrotzenden Weltmeister machen, der dem Rest der europäischen Nationen das Regiment vorgibt. Darauf darf und soll das Volk nicht nur stolz sein, sondern sich auch zum eingebildeten Richter über die europäischen Völker aufschwingen, denen allesamt abgeht, was das deutsche Herrenvolk auszeichnet. Diese Kanzlerin soll also nicht so tun, als ob sie sich über den gediegenen Fremdenhass wundert, mit dem jetzt die Flüchtlinge beargwöhnt und als unerträgliche Fremdkörper verachtet werden, die nicht ins nationale Kollektiv passen: Erst die einheimische Mannschaft zu gehässigen Konkurrenten trimmen und sie mit dieser Mentalität zu Nationalisten anstacheln, die sich über die anderen Völker erheben und hermachen – und dann daneben ein vergleichsweise „freundliches Gesicht“ zeigen!

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Für wohlmeinende Flüchtlingsfreunde sollte die billige Distanzierung der Kanzlerin von der hässlichen Seite des Nationalismus, den sie und ihr Regierungsverein selbst züchtet, kein Grund sein, diese Figur lieb zu gewinnen, nur weil ihnen der Fremdenhass deutscher Patrioten noch ganz anders Angst macht als ihrer verlogenen Kanzlerin. Denn nur im Vergleich zu diesem aufgestachelten Haufen ist Merkels „Gesicht“ überhaupt so etwas wie „freundlich“ – die Wahrheit dahinter sieht schon ein bisschen anders aus: Unübersehbar geht das „freundliche Gesicht“ mit dem Auftrumpfen deutscher Macht einher. Nicht nur gegenüber der Million Flüchtlinge, die sie in die deutsche Konkurrenzgesellschaft reinlässt oder gleich wieder als „Wirtschaftsflüchtlinge“ rausschmeißt; auch in und über Europa, ja überall da in der Welt, wo sie „Krisenherde“ mit dem Potenzial von „Flüchtlingsursachen“ entdeckt, stellt sie sich auf als Platzanweiserin, wer wo hin gehört in dieser Welt – und was die Staaten zur Bewältigung dieses „Weltproblems“ zu leisten haben.

Für uns ist das der Grund zu fragen, für welche Zwecke die Führungsriege Deutschlands sich und ihrem Volk dermaßen viele Fremde zumutet – schon weil wir keinen Anhaltspunkt dafür haben, dass dieses Deutschland angesichts von ein paar Hunderttausend Flüchtlingen von seinem Nationalismus und seinem Imperialismus auch nur einen Deut abrückt.

Am 1.Dezember, 19 Uhr, im Centro Sociale

Veranstalter ist die Gruppe Gegenargumente - Hamburg

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